Zusammenfassung
Das Dubin-Johnson-Syndrom (DJS) ist eine benigne, erbliche Funktionsstörung der Leber. Sie ist klinisch durch chronische, überwiegend konjugierte Hyperbilirubinämie und histologisch durch schwarz-braune Pigmentablagerungen in den Leber-Parenchymzellen gekennzeichnet. Die Prävalenz in der Allgemeinbevölkerung ist nicht bekannt. Die Anomalie wird in allen Ethnien gefunden. Bei iranischen und marokkanischen Juden tritt sie mit einer Gründermutation gehäuft (1 :1.300) auf. Die Patienten manifestieren in der Adoleszenz und im frühen Erwachsenenalter einen leichten bis moderaten Ikterus ohne Pruritus. Oft wird der Ikterus durch interkurrierende Krankheiten, Schwangerschaft, orale Kontrazeptiva oder Medikamente ausgelöst. Während der Episoden bestehen manchmal Leibschmerzen und Mattigkeit, in seltenen Fällen entwickelt sich eine Hepatosplenomegalie. Das Gesamt-Serumbilirubin (50-80% in der konjugierten Form) ist erhöht, meist auf 2-5 mg/dL, sehr selten auf bis zu 20 mg/dL. Die Aktivitäten der Leberenzyme (Aminotransferasen, Alkalische Phosphatase, Gamma-Glutamyl-Transpeptidase), Gesamt-Gallensäuren-Konzentration, Albuminspiegel und Prothrombinzeit sind normal. Besonders bei iranischen und marokkanischen Juden, aber auch in anderen Populationen, kann eine Assoziation mit Gerinnungsfaktor VII-Mangel (s. dort) beobachtet werden. Histologisch wird im Zytosol der Hepatozyten vorwiegend des zentrilobulären Bereiches, eine typische Ablagerung von schwarz-brauner Pigmentgranula gefunden, weitere histologische Veränderungen bestehen nicht. Das DJS wird autosomal-rezessiv vererbt. Ursache sind homozygote Mutationen im ABCC2-Gen (10q24). Es kodiert für einen ATP-abhängigen Transporter der apikalen Membran, der den Efflux der Bilirubin-Glucuronide und anderer organischer Anionen aus der Leberzelle in die Galle ermöglicht. An das DJS ist bei Patienten mit isolierter konjugierter Hyperbilirubinämie und normaler Aktivität der Leberenzyme zu denken, wenn gleichzeitig eine Sepsis ausgeschlossen wurde, der Ultraschallbefund der Leber unauffällig ist und keine interferierenden Medikamente eingenommen werden. In diesem Kontext ermöglicht in der Regel der Urinbefund des charakteristischen Koproporphyrin-Ausscheidungsmusters (normale Konzentration des Gesamt-Koproporphyrins bei auf mehr als 80% erhöhtem Anteil des Koproporphyrins-1) die Diagnose des DJS. Diagnostisch nützlich kann auch die 99mTc-HIDA-Choleszintigraphie sein, bei der Gallenblase und Gallengänge verzögert oder gar nicht dargestellt werden, während die Leber eine verlängerte Zeit sichtbar bleibt. Der Nachweis von Mutationen im ABCC2-Gen sichert die Diagnose endgültig. Auch der histologische Befund im Leberbiopsat würde die Diagnose definitiv sichern, wegen der benignen Prognose des DJS wird diese invasive Diagnostik jedoch nicht systematisch betrieben. Hauptsächliche Differentialdiagnose ist das Rotor-Syndrom (RT; s. dort), eine andere Form von überwiegend konjugierter Hyperbilirubinämie. Eine kurative Therapie des DJS gibt es nicht, in einigen Fällen führte die kurzfristige Anwendung von Phenobarbital zur Abnahme des Serum-Bilirubinspiegels. Da das DJS eine gute Prognose hat, ist eine korrekte Diagnose wichtig, damit unnötige Diagnostik, Therapien und Kontrollen vermieden werden. Wenn eine begleitende chronische Lebererkrankung nicht besteht, gibt es keine Progredienz zu Leberinsuffizienz, -zirrhose oder -fibrose.
Gutachter
- Dr Véronique BARBU
- Dr Christophe CORPECHOT
Aktualisiert am: Januar 2010