Direkt zum Inhalt springen
  1. Startseite
  2. Seltene Krankheiten
  3. Suche
Einfache Suche

Einfache Suche

*
(*) Felder müssen ausgefüllt werden





 

Weitere Suchoptionen

Wolfram-Syndrom

Orpha-Kennnummer ORPHA3463
Synonym(e) DIDMOAD-Syndrom
Diabetes mellitus - Diabetes insipidus - Optikusatrophie - Schwerhörigkeit
Prävalenz 1-9 / 1 000 000
Erbgang
  • Autosomal-rezessiv
Manifestationsalter Kindesalter
ICD-10
  • E10.7
  • H48.0
OMIM
UMLS
  • C0043207
MeSH
  • D014929
MedDRA -
SNOMED CT
  • 70694009

Zusammenfassung

Das Wolfram-Syndrom (WFS) ist eine seltene neurodegenerative Krankheit mit Diabetes mellitus Typ I, Diabetes insipidus, Optikusatrophie und neurologischen Symptomen. Bisher wurden etwa 300 Fälle beschrieben, die Prävalenz wurde zu 1 :160.000 bestimmt. Das minimale diagnostische Kriterium für WFS ist die Assoziation eines juvenilen und meist im ersten Lebensjahrzehnt auftretenden Typ I-Diabetes mellitus (DM) ohne Antikörper mit einer beidseitigen, meist schon vor dem zweiten Lebensjahrzehnt auftretenden Optikusatrophie. Durch die Optikusatrophie wird nur das periphere Sehen eingeschränkt. Etwa 70-75% der Patienten entwickeln dazu einen Diabetes insipidus, und etwa 2/3 der Patienten haben eine unterschiedlich schwere Schallempfindungs-Schwerhörigkeit für hohe Frequenzen. Weitere Probleme bei diesem Syndrom sind Tonusverlust der Harnwege, Ataxie, periphere Neuropathie, Demenz, psychiatrische Störungen und/oder zerebrale Krämpfe. Etwa 60% der homozygoten WFS-Patienten (s. unten) haben Episoden mit schwerer Depression oder Psychose, sowie kompulsiver verbaler oder körperlicher Aggression. Etwa ein Viertel der Patienten hat Verdauungsprobleme (rezidivierende Obstipation oder Diarrhoe). Bei etwa 1/3 der Patienten ist die Nierenfunktion beeinträchtigt. Häufig treten auch lebensbedrohliche zentrale Apnoe und zentrales Atemversagen auf. Bulbäre Funktionsstörungen können durch Aspirationspneumonie zum Tod führen. Mögliche weitere Symptome sind Kardiomyopathie und Anämie. Berichtet wurde auch über fehlende Geschlechtsentwicklung. Das WFS wird autosomal-rezessiv vererbt. Zwei ursächlich beteiligte Gene wurden identifiziert: WFS1 (4p16.1), das für Wolframin (ein an der Kalzium-Homöostase beteiligtes Protein des endoplasmatischen Retikulums) kodiert, und CISD2 (4q22-q24), das für das CDGSH-Eisen-Schwefel-Domäne-enthaltende Protein 2 kodiert. Mutationen im CISD2-Gen wurden bisher nur bei drei betroffenen Familien mit jordanischer Herkunft gefunden. WFS1-Mutationen sind für die Mehrzahl der WFS-Phänotypen verantwortlich. In verschiedenen Populationen wurden insgesamt mehr als 150 verschiedene WFS1-Mutationen gefunden, die meisten davon in Exon 8. In Familien mit bekannten WFS1- oder CISD2-Mutationen ist die Diagnose gesichert und Heterozygote können erkannt werden. Heterozygote Träger von WFS1-Mutationen werden acht Mal häufiger als Nicht-Träger wegen einer psychiatrischen Krankheit stationär behandelt. Sie haben auch ein erhöhtes Risiko für eine Tiefton-Schwerhörigkeit und einen Diabetes mellitus. Eine molekulare vorgeburtliche Diagnostik ist möglich. Differentialdiagnostisch ist an den Typ I-Autoimmun-Diabetes und an die Lebersche Optikusatrophie (LHON) zu denken (s. diese Termini). Die Behandlung ist symptomatisch. Zur Betreuung gehört die Suche nach den zu erwartenden Krankheiten und deren frühe Behandlung. Empfohlen werden ein jährliches Screening für Diabetes und Seh- und Hörstörungen, sowie ein Basis-MRI. Der Diabetes mellitus ist insulinabhängig. Behandlungsbedürftig sind auch Diabetes insipidus, Atemstörungen und Harnwegserkrankungen, letztere durch Antibiotika-Prophylaxe von Harnwegsinfektionen. Wegen der großen Häufigkeit seelischer Gesundheitsprobleme bei WFS-Patienten sind regelmäßige Untersuchungen in Hinblick auf Depressionen und andere psychiatrische Symptome erforderlich, um spezifisch medizinisch, emotional und psychologisch intervenieren zu können. Häufig schreitet die Krankheit bis zu vorzeitigem Tod, oft durch Atemstillstand, fort.

Gutachter

  • Dr Virginia NUNES MARTÍNEZ

(*) Notwendige Angaben

Wichtiger Hinweis: Wir können nur solche Kommentare akzeptieren, die zur Verbesserung der Qualität von inhaltlichen Informationen auf der Orphanet -Website beitragen möchten. Für alle weiteren Anliegen können Sie uns via 'Kontakt' erreichen. Wir können nur englische oder deutsche Kommentare bearbeiten.


Captcha image

Detaillierte Informationen

Review-Artikel (Klinischen Genetik)
  • EN (2009)
Get Acrobat Reader
Die Dokumente dieser Website dienen nur der allgemeinen Information. Der Inhalt dieser Website ersetzt in keiner Weise eine professionelle Beratung oder Behandlung durch qualifizierte Fachleute. Die vorliegenden Informationen dürfen nicht als Grundlage für eine Diagnose oder Behandlung verwendet werden.