Zusammenfassung
Die Neurofibromatose Typ 1 (NF1) oder von-Recklinghausen-Krankheit, ist eine der häufigsten genetischen Krankheiten. Betroffen sind 1/4.000 bis 1/3.000 Individuen. Die Krankheit wird autosomal-dominant vererbt. Mit 5 Jahren ist die Penetranz nahezu vollständig. Ursache sind Mutationen im NF1-Gen in der Chromosomenregion 17q11.2 auf dem langen Arm des Chromosoms 17. Es ist ein großes (350 kb, 60 Exone) Tumorsuppressor-Gen und kodiert für das zytoplasmatische Protein Neurofibromin. Die pathogenen Keimbahn-Mutationen sind über das ganze Gen verteilt und werden meist nur in 1 Familie gefunden. Die Mutationsrate ist besonders hoch und fast die Hälfte der Fälle ist durch Neumutaionen verursacht. Die klinische Ausprägung der NF1 variiert sehr stark, auch innerhalb einer Familie. Bei entsprechender Erfahrung kann die Diagnose einer NF1 in der Mehrzahl der Fälle durch eine klinische Untersuchung gesichert werden. Mindestens 2 der folgenden 7 Kriterien sollen hierfür erfüllt sein: (i) 6 oder mehr Café-au-lait-Flecken, (ii) axilläres 'Freckling' oder inguinale Lentigines, (iii) 2 oder mehr kutane Neurofibrome jeglichen Typs oder ein plexiformes Neurofibrom, (iv) 2 oder mehr Lisch-Knötchen (Iris-Hamartome), (v) eine spezifische Skelettveränderung (Keilbeinflügeldysplasie, verdünnte Cortex der langen Röhrenknochen, Pseudarthrose), (vi) Optikus-Gliom, (vii) ein betroffener Verwandter 1. Grades (Elternteil oder Geschwister). Patienten mit NF1 müssen regelmäßig nachuntersucht werden, da der Schweregrad der Krankheit stark variiert, da ein Tumorrisiko besteht und weil der weitere Verlauf der Krankheit nicht vorausgesagt werden kann. Die Überwachung ist im wesentlichen klinisch und muß dem jeweiligen Alter der Patienten angepaßt werden, damit Komplikationen rechtzeitig versorgt werden können: z.B. Lernprobleme, ein aggressives Optikus-Gliom, beginnende Skoliose, Bluthochdruck (Nierenarterien-Stenose, Phäochromozytom) oder ein Malignom. *Autor: Dr. S. Pinson (Mai 2002)*.