Zusammenfassung
Das Syndrom aus Neuropathie, Ataxie und Retinitis pigmentosa (NARP) ist klinisch heterogen. Oft manifestiert es sich als Kombination einer sensorisch-motorischen Neuropathie mit Kleinhirn-Ataxie und Nachtblindheit. Die Prävalenz wird auf etwa 1/12.000 geschätzt. NARP wird tritt meist bei jungen Erwachsenen auf. Bestandteile des klinischen Bildes sind im einzelnen: frühe 'Salz-und-Pfeffer'-Retinopathie, Retinitis pigmentosa, träge Pupillenreaktion, Nystagmus, Erblindung, proximale Muskelschwäche, Entwicklungsverzögerung, Atrophie des Tractus cortico-spinalis, Demenz, Hörverlust, Krampfanfälle, Ataxie, sensorische Neuropathie, proximale neurogene Muskelschwäche. NARP wird maternal vererbt. Ursache ist die Mutation 8993T>G im mitochondrialen MTATP6-Gen, das für die ATPase 6-Untereinheit kodiert. Die Mutation bedingt den Austausch des evolutionär hoch konservierten Leuzins in Position 156 mit Arginin (L156R). Folge ist eine starke Verminderung der mitochondrialen ATP-Synthese und der zellulären Energiereserven. Besonders in Geweben, die stark von der oxidativen Phosphorylierung abhängen (Gehirn und Retina), führt dies zum Zelltod. Die gleiche Mutation wird bei 8-10% der Fälle von Leigh-Syndrom gefunden. Diese werden als MILS (mütterlich vererbtes [maternally inherited] Leigh-Syndrom) bezeichnet. MILS ist die schwerste Ausprägung des NARP-Syndroms und manifestiert sich von Generation zu Generation immer früher (Pseudo-Antizipation). Die Behandlung ist unterstützend. Kürzlich wurde aufgrund von in vitro erhobenen Befunden eine Behandlung mit Antioxodantien vorgeschlagen.
Gutachter
- Dr Filippo M. SANTORELLI
- Dr Alessandra TESSA
Aktualisiert am: April 2004