Zusammenfassung
Der Steroid-5-Alpha-Reduktase-Mangel ist selten, wird autosomal-rezessiv vererbt und verursacht einen männlichen Pseudohermaphroditismus. Es handelt sich um eine unvollständige Differenzierung der männlichen Genitalien bei Männern mit normalem männlichen Karyotyp 46, XY. Das Enzym 5-Alpha-Reduktase 2 wird durch das SRD5A2-Gen in der Chromosomenregion 2p23 kodiert und katalysiert die Umwandlung von Testosteron (T) in Dihydrotestosteron (DHT), das für die normale Differenzierung des äußeren männlichen Genitales und die Entwicklung des Urogenitalsinus unentbehrlich ist. Das klassische Syndrom der Pseudovaginalen Perineoskrotalen Hypospadie manifestiert sich bei der Geburt mit intermediärem äußeren Genitale, klitorisartigem Phallus, Hypospadie, Scrotum bifidum und persistierendem Urogenitalsinus mit blind endender perinealer Vaginaltasche. Es kann jedoch der Aspekt des äußeren Genitales von vollständig weiblich bis zu männlich mit Hypospadie und / oder Mikropenis reichen. Die Testes liegen in den Labioskrotalfalten oder in den Leistenkanälen. Der innere Urogenitaltrakt ist gut entwickelt, und Derivate des Müllerschen Ganges fehlen. Wenn die Gonaden nicht entfernt wurden, kommt es in der Pubertät durch Wirkung des Testosterons zu einer ausgeprägten Virilisierung, aber ohne Gynäkomastie. Die meisten Patienten sind infertil. Basal und nach Stimulation mit hCG (menschlichem Choriongonadotropin) sind die Spiegel von Testosteron normal oder erhöht. Gleichzeitig sind die DHT-Spiegel niedrig und die T/DHT-Ratio auf > 20 erhöht. Die Umwandlung von T in DHT kann in kultivierten Fibroblasten aus Genitalhaut untersucht werden, häufig jedoch sind die Ergebnisse falsch negativ. In den 5 Exons des SRD5A2-Gens sind mehr als 40 verschiedene Mutationen gefunden worden. Bei den meisten handelt es sich um Aminosäure-Substitutionen. Es wurden aber auch vollständige Deletionen des Gens, kleinere Deletionen, sowie Nonsense- und Splice-Mutationen nachgewiesen. Es herrscht noch keine Einigkeit darüber, nach welchen Kriterien die Zuweisung zu einem bestimmten Geschlecht erfolgen soll. Abhängig davon, welche Resultate ggf. mit einer vermännlichenden Genitalplastik zu erreichen sind, muß die Frage bei jedem Patienten sorgfältig geprüft werden. Fällt die Entscheidung zugunsten einer weiblichen Zuweisung, dann sind eine verweiblichende Genitalplastik und eine Gonadektomie angezeigt. Bei Kenntnis der Mutation kann in weiteren Schwangerschaften der Mutter eine vorgeburtliche Diagnostik durchgeführt werden.
Aktualisiert am: Februar 2004