Zusammenfassung
Die Reducing-Body-Myopathie (RBM) ist eine seltene Muskelerkrankung mit progredienter Muskelschwäche und charakteristischen Einschlusskörpern in den betroffenen Muskelfasern. Die Prävalenz ist nicht bekannt. Bisher wurden in der Literatur 4 Familien mit RBM und einige sporadische Fälle beschrieben. Erkrankungsalter, Tempo der Progredienz und Schwere der Erkrankung sind bei den Patienten sehr unterschiedlich, auch innerhalb einer Familie. In der Regel ist die frühe Entwicklung bis zum Alter von 2 Jahren unauffällig. Wenn die Krankheit aber schon im Säuglingsalter oder in der frühen Kindheit einsetzt, ist sie geprägt durch schwere Myopathie, Muskelhypotonie, schnell fortschreitende Muskelschwäche und Tod durch Ateminsuffizienz in den ersten fünf Lebensjahren. Bei Beginn im Kindes- oder Erwachsenenalter ist die Krankheit gekennzeichnet durch proximal betonte Muskelschwäche, Rigid-spine-Syndrom und langsam progredienten Verlauf. Die sporadischen und familiären Fälle von RBM sind verursacht durch Mutationen im (FHL1-Gen (Xq27.2), das für das für das Viereinhalb-LIM-Domänen-1-Protein kodiert. Wie für X-chromosomale Gene zu erwarten, wurde in den betroffenen Familien Übertragung vom Vater auf den Sohn nicht gesehen. Schwer betroffene weibliche Patienten wurden beschrieben, was für X-chromosomal-dominante Vererbung spricht, aber schiefe X-Inaktivierung wurde in diesen Fällen nicht ausgeschlossen. Da das klinische Bild außerordentlich variabel ist und das EMG nur ein gemischt-myopathisches Muster zeigt, erfordert die Diagnose eine Muskelbiopsie mit dem histologischen Nachweis typischer, nicht-membrangebundener Einschlußkörper, die Nitroblau-Tetrazolium reduzieren (daher der englische Name `reducing body myopathy'). Die Einschlusskörper liegen im Zytoplasma meist in der Nähe degenerierender Kerne. Elektronenoptisch bestehen die Einschlüsse aus feinem granulären Material. Histochemisch handelt es sich um sog. Aggresomen mit denaturierten Proteinen. Differential-diagnosen sind andere Krankheiten mit reduzierenden Einschlusskörpern (z.B. der Mangel der Sauren Maltase) und, bei familiären Fällen, andere kongenitale Myopathien (sh. diese Termini). Bei weniger schweren Verläufen ist auch an die Sarkotubuläre Myopathie zu denken. Die Behandlung ist unterstützend und soll gemeinsam durch Neurologen, orthopädische Chirurgen und Physiotherapeuten erfolgen. Die Prognose ist im allgemeinen schwer. Mit fortschreitender Krankheit verlieren die Patienten, auch die mit späterem Beginn und langsamer Progredienz, ihre Gehfähigkeit und versterben im Atemversagen.
Gutachter
Aktualisiert am: April 2008