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Muskeldystrophie Typ Duchenne

Orpha-Kennnummer ORPHA98896
Synonym(e) DMD
Dystrophinopathie vom Typ Duchenne
Dystrophinopathie, Schwere, Typ Duchenne
Prävalenz 1-9 / 100 000
Erbgang
  • X-chromosomal-rezessiv
Manifestationsalter Kindesalter
ICD-10
  • G71.0
OMIM
UMLS
  • C0013264
MeSH
  • D020388
MedDRA
  • 10013801
SNOMED CT
  • 76670001

Zusammenfassung

Die Duchenne-Muskeldystrophie (DMD) ist eine neuromuskuläre Erkrankung mit progredientem Muskelschwund und Schwäche. Im Rahmen der Krankheit degenerieren Skelett- und Herzmuskulatur und glatte Muskulatur. Von der DMD ist in erster Linie das männliche Geschlecht betroffen, die Inzidenz unter männlichen Neugeborenen ist 1:3.300. Mädchen und Frauen sind in der Regel symptomlos, nur ein kleiner Prozentsatz der Konduktorinnen manifestiert eine leichtere Form der Krankheit (Symptomatische Form der Muskeldystrophie Duchenne und Becker bei heterozygoten Frauen; s. dort). Die ersten Symptome treten in der frühen Kindheit auf, betroffene Knaben sind evtl. in ihrer motorischen Entwicklung (motorische Meilensteine) oder in ihrer globalen Entwicklung verzögert. Kinder mit DMD erlangen in der Regel niemals die Fähigkeit zu rennen oder zu springen. Die Krankheit schreitet rasch fort, das Kind entwickelt einen watschelnden Gang und ein positives Gowersches Zeichen. Treppensteigen wird schwierig und das Kind fällt immer häufiger hin. Die Fähigkeit zum Gehen ohne Hilfe geht im Alter zwischen 6 und 13 Jahren verloren, bei nicht mit Steroiden behandelten Kindern im Mittel mit 9,5 Jahren. Wenn die Kinder nicht mehr gehfähig sind, entstehen schnell Gelenkkontrakturen und eine Skoliose. Im frühen Erwachsenenalter sterben die Patienten an den Folgen der Kardiomyopathie und Ateminsuffizienz. Die DMD wird X-chromosomal-rezessiv vererbt. Ursache des Muskelschaden ist bei dieser Krankheit das vollständige, durch Mutationen im DMD-Gen (Xp21.2) bedingte Fehlen des Sarkolemma-Proteins Dystrophin. Die Verdachtsdiagnose ist gestützt auf Klinik, Familiengeschichte und den Laborbefund einer 100-bis 200-fach erhöhten Serum-Kreatinkinase. Die Muskelbiopsie zeigt dystrophische Veränderungen, das Dystrophin fehlt ganz. Ursächliche Mutationen im DMD-Gen sind: Deletionen mit Verschiebung des Leserasters, Duplikationen oder Nonsense-Mutationen. Differentialdiagnosen sind die schwer verlaufende Becker-Muskeldystrophie und die Gliedergürtel-Muskeldystrophien (s. diese Termini). Wenn in einer Familie die Diagnose durch Mutationsnachweis gesichert wurde, ist eine vorgeburtliche Diagnostik möglich. Die genetische Beratung ist sehr wichtig. Das Risiko für Söhne von Konduktorinnen zu erkranken und das Risiko für Töchter, Konduktorin zu sein, ist jeweils 50%. Unerlässlich ist eine multidisziplinäre Betreuung. Zur Physiotherapie gehört passives Dehnen und in der Nacht Knöchel-Fuß-Orthesen zur Kontrolle von Kontrakturen der Achillessehne. Therapeutischer Goldstandard sind Kortikosteroide (Prednisolon, Prednison oder Deflazacort). Mit der Kortikosteroid-Behandlung sollte bei Stillstand der motorischen Fähigkeiten des Kindes begonnen werden, meist ist das im Alter zwischen 5 und 7 Jahren. Hinsichtlich möglicher Komplikationen der Kortikosteroid-Therapie gehören zur Betreuung: Kontrolle des Körpergewichtes, H2-Antagonisten zum Schutz der Magenschleimhaut, regelmäßige Kontrolle und Behandlung der Osteoporose, sowie augenärztliche Versorgung bei Katarakt und Glaukom. Regelmäßige kardiale Kontrollen sind erforderlich, damit rechtzeitig eine Therapie mit ACE-Hemmern beginnen kann. Eine chirurgische Korrektur der Skoliose kann erforderlich sein. Nächtliches BiPAP ist hilfreich zur Behandlung der restriktiven Ateminsuffizienz. Die DMD hat eine schlechte Prognose, die Lebenserwartung ist signifikant reduziert, die Patienten versterben im frühen Erwachsenenalter.

Gutachter

  • Dr Rosaline QUINLIVAN

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